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Erlebnis mit Geschichte

 

Zurück in alte Zeiten

Das Museum Quintana in Künzing

Keine 3.500 Einwohner zählt die Gemeinde Künzing am östlichen Landkreisrand Deggendorf – und hat dennoch eines der beeindruckendsten Römermuseen der Region. Seit mittlerweile 25 Jahren zieht Quintana seine Besucherschaft aus Nah und Fern an und ist dabei mit seiner modernen Bauart und Ausstellung kein bisschen in die Jahre gekommen. Dafür sorgt die Gemeinde als Träger und lässt sich stets was Neues einfallen. Das wollen wir uns mal genauer anschauen. Wir – das sind die Autorin und ihr elfjähriger Bub. Eine, die als Kind Archäologin werden wollte und einer, der eine ziemliche Begeisterung für die Römer hegt. Los geht es auf Spurensuche!
Das Wetter spielt heute keine große Rolle. Es darf in den Ferien also auch mal regnerisch sein – dann können wir endlich das Römermuseum Quintana in Künzing besuchen. Es ist Sonntagmorgen, wir sind die ersten, die Museumsmitarbeiterin Manuela Breinbauer an der Kasse begrüßt. Der Bub bekommt ein Klemmbrett, worauf er vermerken kann, wie viele versteckte Playmobilrömer er in den Vitrinen entdecken kann. Richtig gehört: Playmobil. Die berühmten beweglichen Spielzeugmannderl ziehen sich seit kurzer Zeit durchs ganze Museum. „Wir wollten für Erwachsene und Kinder gleichermaßen etwas bieten“, erklärt Manuela Breinbauer. „Darum haben wir Oliver Schaffer engagiert.“ Der Playmobil Diorama Artist, der schon im Louvre Besucher begeisterte, hatte im Museum Quintana bereits im Jahr 2021 sein Können gezeigt. Im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoss waren große Schaukästen zu sehen, in denen er die Geschichte lebendig werden ließ – ausschließlich mit Playmobilmaterial. Nun sind fünf kleinere von ihm gestaltete Vitrinen im gesamten Museumsbereich verteilt. „Nachgestellt sind Szenen, um die gezeigten Ausstellungsstücke Kindern näher zu bringen,“ sagt Manuela Breinbauer. Was das heißt, werden wir auf unserem Rundgang direkt erleben.
Quintana Ausstellungsraum
Quintana Werkzeug

Playmobilfiguren weisen den Weg

Schon geht es los: Ein Playmobil-Heißluftballon mit der Römerfamilie rund um den Buben Quintus weist uns den Weg. Zunächst landen wir in der Steinzeit. Die ist auch ein wichtiger Grund, warum es das Museum überhaupt gibt – Künzing zählt als der älteste Ort im Landkreis Deggendorf. Erst nach der Eröffnung im Jahr 2001 wurde der beeindruckendste Fund aus dieser Zeit geborgen: die Tote von Niederpöring. Wir sehen ihre Büste, die detailgetreu und lebensecht nachgestaltet wurde. Auf dem Kopf trägt die Frau eine Art Stirnband aus vielen kleinen Donaukahnschnecken, die wir selbst schon am Donaustrand gefunden haben. In der Vitrine dahinter liegt der tatsächliche Fund. Der Schädel der Frau mit dem Kopfschmuck, dazu ein paar Gebeine. Mich rührt der Anblick an und es wird mir wieder einmal so deutlich, wie viele Menschen schon vor uns gelebt haben. Sie alle haben eine Geschichte. Anhand der Frau, die vor rund 7.000 Jahren bestattet wurde, bekommt diese Geschichte eine ganz nahbare Präsenz. Ein weiterer steinzeitlicher Fund ist nicht direkt anzuschauen. Wir sehen ihn per Modell: das so genannte Stonehenge ohne Steine. Vor etwa Jahren wurde in Künzing eine Kreisgrabenanlage aus Holz erbaut. Ausgegraben wurden die Reste in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Über den Grund wird heute noch gerätselt. Kein Rätsel hingegen gibt der Unterkiefer des Wollhaarmammuts auf. Als tierischer Zeitzeuge liegt der imposante Knochen mit den speziellen Zähnen in der Vitrine und lässt uns staunen, welch imposante Tiere vor gar nicht so langer Zeit hier unterwegs waren. Neben diesen unübersehbaren Ausstellungsstücken finde ich in den Vitrinen an der Wand erst auf den zweiten Blick Faszinierendes: Scherben aus der Zeit der Bandkeramiker. Da ich seit ein paar Sommern gerne an den Donaustränden verweile und ich schon immer eine Sachensucherin war, sind mir dort schon einige dieser Scherben in die Hände gefallen. Ist das möglich? Ich staune und vergleiche die regelmäßigen Linien auf dem alten Gefäßfragmenten.
Quintana Lego
Quintana Skelett

Künzing – das einstige Römerkastell

Jetzt geht es aber weiter in die Bronzezeit. Diese wird vor allem durch die immens großen Urnen präsentiert. Denn vor etwa 2.800 Jahren gab es in Künzing einen riesigen Friedhof. Über 1.000 Gräber hat man bislang gefunden; Feuerbestattung war Tradition. Weil diese riesigen Urnen zwar eindrucksvolle Gefäße sind, aber man sich sonst nicht so viel dazu vorstellen kann, wird in einer Playmobil-Vitrine eine Feuerbestattung nachgestellt. Ganz kindgerecht wird so auf dieses Thema eingegangen, das uns schließlich alle einmal angeht. Der Tod wird mit dieser rituellen Handlung gleich viel anschaulicher. Spannend sind auch die Funde in den Urnen: Neben Schmuck entdeckte man auch Waffen und Pferdetrensen und konnte dadurch herausfinden, was die Menschen aus der Zeit bereits alles vermochten. Jetzt wird es aber Zeit für die Römer! Wir steigen die Treppen hinauf und werden erst einmal von einem voll gerüsteten Soldaten begrüßt. Ganz schön eindrucksvoll steht der gute Centurio da. Hinter ihm laden Kisten zum Mitmachen ein. Prompt stülpt sich der Bub den Helm über – aber Halt! – da haben wir auch noch ein Kettenhemd. Das ist allerdings so schwer, dass er es nicht ohne die mütterliche Unterstützung anziehen kann. Kurz neben dem Centurio posieren und schnell wieder raus aus dem eisernen Ding. Jetzt haben wir eine vage Vorstellung wie es war, als Römersoldat unterwegs zu sein. Vertieft wird diese Vorstellung von sämtlichen weiteren Ausstellungsstücken, die man in Künzing fand. Diese wurden aber nicht von den Römern liegengelassen, sondern später von den Germanen geraubt. Weil die Germanen sich aber auch irgendwann zurückzogen, ließen sie die schweren Metallgegenstände hier. Eine spannende Geschichte, die bis heute nachwirkt: Das Museum hat seinen Namen schließlich vom einstigen Römerkastell Quintana. Und auch der Ortsname leitet sich davon ab. Ein weiterer kleiner Raum hinter dem Römersaal beschäftigt sich mit dem Mithraskult und eine Treppe hinauf wird dem Besucher ein Einblick in das Wirken des Heiligen Severin gewährt. Mag man sich zunächst fragen, was dieser nun mit Künzing zu tun hat, wird die Frage schnell beantwortet: Hier war die westlichste Wirkungsstätte des Heiligen, der in den 470er Jahren nach Christus unterwegs war und die spätantiken Auswirkungen noch erlebte. Hinab geht es nun zu den Bajuwaren, durch die noch einmal deutlich wird, dass die Menschheitsgeschichte seit jeher durch Völkerwanderungen geprägt ist.

Ein hölzernes Amphitheater

Am Ausgang treffen wir wieder auf Manuela Breinbauer. Der Bub gibt seine Römerzählung ab – richtig gezählt! Sogar der sehr gut versteckte Soldat in der Mithrasnische entging seinen Augen nicht. Weil er alle gefunden hat, darf er sich eine Kleinigkeit aus dem Museumsshop aussuchen. Währenddessen erzählt Manuela Breinbauer noch ein wenig über das Museum und wie es möglich ist, dass ein so kleiner Ort ein so großes Kulturangebot hat: „Ohne den damaligen Ortsheimatpfleger Werner Friedenberger würde es das Museum heute nicht geben. Er hat den Anstoß gegeben und gründete auch den Museumsverein. Die Gemeinde ist Träger, der Verein hält das Museum mit unserem Leiter Roman Weindl am Leben.“ Und sie weist auf eine tolle Sache hin, für die wir leider ein wenig zu früh dran sind. Wenn Sie diesen Text lesen, können Sie bereits die neue Ausstellung im Erdgeschoss bestaunen, die sich ganz und gar dem Amphitheater von Künzing widmet. „Das Amphitheater ist der Grund, warum Künzing seit dem Jahr 2021 Anteil am UNESCO-Welterbe Donaulimes hat. Da muss schon ein Alleinstellungsmerkmal vorliegen. Künzing und das Amphitheater von Dambach bei Ansbach sind die beiden einzigen hölzernen Amphitheater, die in Deutschland bislang gefunden wurden“, erzählt Manuela Breinbauer. Bei einer Luftbildaufnahme im Jahr 2003 entdeckte man einen großen runden Fleck. Die Deggendorfer Kreisarchäologen legten diesen Fleck vorsichtig frei. Da das Amphitheater aus Holz gebaut wurde und dieses eine Ausgrabung nicht überstehen würde, wurde nur ein Teil davon ausgegraben. Am Fundort verschafft eine schlichte Holzkonstruktion einen Eindruck über die Größe des einstigen Amphitheaters. Das schauen wir uns aber heute nicht an, dazu ist uns das Wetter tatsächlich zu ungemütlich. Lieber kommen wir in der warmen Jahreszeit nochmal – dann können wir auch die Welterbe-Tour antreten, die uns mittels App wie bei einer Schnitzeljagd ums Museum herumführt. Anschließend könnten wir an den Donaustrand fahren, um ein paar Kahnschnecken zu sammeln, ihr feines Muster bewundern und nach einer steinzeitlichen Scherbe Ausschau halten.
Das Museum Quintana

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