Passauer Landlust
Zu Besuch am Bienenhof
Feine Speisen mit Honignote
Portrait
Christina und Levi
Augusztinyi sowie
Christa und Ernst
Gebauer

Wer bislang gemeint hat, das Rottal sei brettlebenes Ackerland, den belehrt der Bienenhof eines Besseren: Steinberg 28 lautet die Adresse und lässt damit schon die geschwungenen Anhöhen erahnen, zwischen denen der Hof eingebettet ist. Felder, Wiesen, eine Streuobstwiese, das holzvertäfelte Gebäude und eine Zufahrt, die hier endet in einer nahezu paradiesischen Ruhe. Nur leise Küchengeräusche dringen aus dem Fenster neben dem Parkplatz und dazu ein Duft, der äußerst vielversprechend ist.
Auch am heutigen Ruhetag wird gekocht, damit die Gäste morgen gut bewirtet werden können. Für die Küchengeräusche und den himmlischen Duft ist Christa Gebauer verantwortlich. Sie hebt den Deckel, unter dem feine Hirschrouladen garen, es dampft und duftet.
Christa ist hier mit ihrem Bruder Sigi am Hof aufgewachsen, hinten in dem wunderschönen alten Holzhaus, das in der warmen Jahreszeit stets rote Geranien ziert. Später hat Sigi die Imkerei des Vaters fortgeführt und gibt seine Leidenschaft für Bienen in Kursen für Imker bis heute weiter. Bei einem dieser Kurse war Ernst aus dem schwäbischen Eislingen dabei, verliebte sich in Christa und beschloss, zu bleiben.


Ein kleines Familienunternehmen
1988 eröffnete das Paar ein Brotzeitstüberl, in dem von April bis Oktober Gäste bewirtet und einige Feierlichkeiten ausgerichtet wurden. Damit verfolgte auch Christa den Weg des Vaters weiter, der schon damals begonnen hatte, Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten. Die Wintermonate waren zu den Anfangszeiten noch fast ausschließlich für die Imkerkurse da. Der Zuspruch der Gäste – nicht zuletzt für die Schwäbischen Wochen – war schließlich so groß, dass Christa und Ernst das Wirtshaus und in dem Zuge gleich noch die Gästezimmer ausbauten. Auch das Nebengebäude dahinter wurde saniert und beherbergt heute eine Naturheilpraxis. Mit dem Neubau 2015 bekam Christa die große Küche, in der sie nun so kochen kann, wie es ihren Ansprüchen gerecht wird.
Den Neubau hätte das Paar aber niemals ohne die Sicherstellung der Zukunft gewagt. Der Entschluss ihrer Tochter Christina Augusztinyi mit ihrem Mann Levi, zu übernehmen, war maßgeblich dafür, dass der Bienenhof heute so dasteht. Mit Levi zogen auch gleich noch Ungarische Wochen ins Haus. Nun ist der Bienenhof ein kleines Familienunternehmen mit Christa und Christina in der Küche und Ernst und Levi im Service. Während Christa nun eine der Spezialitäten des Hauses vorbereitet, nämlich Rinderbackerl mit glasiertem Honiggemüse und Spätzle, empfängt Christina Levi, der vom Einkaufen zurückkommt und etliche Kisten voller Gemüse hereinschleppt. Dann nehmen sich die Juniorchefs Zeit zum Erzählen, setzen sich mit einem Kaffee in den Wintergarten mit Blick auf die Terrasse und die Steinberger Hügel.
International:
Bayern – Schwaben – Ungarn
Als im Jahr 2014 die Frage der Eltern kam, ob sie denn übernehmen wollten, war Christina 25 Jahre jung und hatte bereits fast ebenso lange Erfahrung damit, was es heißt, in der Gastronomie zu arbeiten: „Ich hatte schon als Kind Freude daran, war immer gern unter Leuten und bin mit den Gästen aufgewachsen.“ Das Ja kam deshalb aus tiefster Seele, da sie ihren Arbeitsplatz selbst gestalten konnte und für sich und die Familie arbeiten würde. Christina hat in Bad Füssing im Hotel Apollo ihre Hotelfachausbildung gemacht und im Anschluss eine Stelle an der Rezeption wahrgenommen. Als eine der Besten ihres Abschlussjahrgangs bekam sie ein Stipendium für eine Weiterbildung und hängte so gleich noch den Ausbilder und Fachwirt im Gastgewerbe dran. Bis zur Übernahme des Bienenhofs blieb sie dem Hotel Apollo treu. Im Jahr 2016 standen dann zwei große Veränderungen an: Zuerst das Leben und Arbeiten auf dem Bienenhof, dann die Hochzeit mit Levi.
Christina lächelt ihren Mann an, ihre Augen lächeln mit. Herzlich und korrekt wirkt sie, spürbar ist: Sie ist eine Frau mit Plan. Da passt sie ganz zu Levi, der mit 16 Jahren nach Deutschland kam, nachdem er in Ungarn die Gastroschule besucht hatte. In der Passauer Innstadt machte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann, arbeitete dann im Hotel Maximilian in Bad Griesbach, bevor ihn sein Weg weiter in den Jagdhof nach Röhrnbach führte, ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel. Dort hat er an der Bar seine Leidenschaft verfolgt: „In München hab ich die Barschule besucht, das ist absolut mein Ding. Es macht mir nach wie vor Freude, mir Wissen anzueignen, vom Flairbartending bis zu sämtlichen Spirituosen.“ Es versteht sich von selbst, dass Levi im Bienenhof eine eigene Cocktail- und Longdrinkkarte etabliert hat. An der Bar im Jagdhof lernte er Christina kennen. Soweit die Liebesgeschichte.
Gute Zutaten aus der Region
Die kulinarische Geschichte des Bienenhofs erzählt von gutem Essen und beschränkt sich nicht nur auf die Bayerische Küche. Das Kochen hat sich Christa selbst gelernt, auch sie ist gelernte Hotelfachfrau. Ihre Kochkunst bezeichnet sie als Hausfrauenküche, in der vor allem zwei Dinge keinen Zutritt haben: „Soße aus dem Packerl und eine Fritteuse. Ich finde fettigen Geruch sehr unangenehm.“ Was gehört aber unbedingt zur Bienenhofküche? Ganz klar Honig. Dieser findet sich nicht nur in Desserts wieder, sondern auch an dem damit glasierten Gemüse, in Soßen, im unvergleichlich gutem Salatdressing und nicht zuletzt im feinen Eierlikör.
Mit Seniorchef Ernst lebt seit 25 Jahren die Tradition der Schwäbischen Wochen am Bienenhof: Ende Juli, Anfang August stehen über drei Wochen lang Spezialitäten aus Ernsts Heimat auf der Speisekarte. Maultaschen, Spätzle, Braten... Die kulinarische Vielfalt geht mit Levi über die Grenzen, wenn aus der Küche jeden November zwei Wochen lang ungarische Aromen wehen. Gulasch, gefüllte Paprikaschoten, Zigeunerschnitzel und Letscho verwöhnen dann die Gäste. Nicht zu vergessen sind auch die Wildwochen ab Mitte September bis Ende Oktober: Hier kommt Wild aus der Region auf den Teller. Mit guten Zutaten zu arbeiten ist für die Köchinnen eine Selbstverständlichkeit – nur damit können die Gerichte so ehrlich schmecken, wie sie es tun. Die Speisekarte ist kein dicker Wälzer, dafür ausgewogen und abwechslungsreich. „Unser Schweinefleisch kommt von der Schwäbisch-Hallischen Erzeugergemeinschaft, unsere Nudeln und die Eier von Gruber’s Hehnahaufa aus dem Nachbardorf, der Honig natürlich aus eigener Produktion“, zählt Christina auf. „Die Weine beziehen wir konsequent aus Baden-Württemberg und Ungarn. Wir wollen schließlich authentisch bleiben.“
Das wissen die Gäste sehr zu schätzen: Wer einmal zum Bienenhof gefunden hat, kommt immer wieder. Das betrifft Auswärtige, die gern zum Urlauben kommen, in Steinberg die unvergleichliche Ruhe genießen und die Nähe der Birnbacher Terme zu schätzen wissen. Aber auch Einheimische aus der Region wissen, was für eine genussreiche Zeit sich im Bienenhof verbringen lässt und reservieren gern den großzügigen Nebenraum, der Platz für gut 30 Leute bietet, für Feierlichkeiten. „Und wir sind das Vereinsheim für die Freiwillige Feuerwehr Luderbach“, ergänzt Christina. „Mit unserer Supertruppe geben wir viel Gaudi und Gas.“ Damit meint die Juniorchefin das familiäre Team, zu dem auch Teilzeitkräfte und einige Aushilfen zählen. Und wie geht es ihr und Levi als Paar, das den ganzen Arbeitsalltag gemeinsam schafft? „Erstaunlich gut“, sagt sie und er pflichtet seiner Frau bei: „Man darf nur die Zeit für sich gemeinsam nicht aus den Augen verlieren.“
Nun noch geschwind Fotos machen, am besten draußen vor dem alten Holzhaus, gern auch in der Sonne hinten bei den Bienen, die noch fleißig auf Nektarsuche sind. Gleich verschwindet Christa wieder in der Küche, Ernst im Büro, Christina auf den Zimmern und Levi im Vorratsraum. Denn ein Ruhetag auf dem Bienenhof hat nichts mit Ruhe zu tun. Schließlich kommen morgen die Gäste wieder und freuen sich auf feine Speisen, abgerundet mit goldglänzendem Honig, in der Gemütlichkeit am Steinberg. Und wie schmeckt nun das Rinderbackerl mit dem glasierten Gemüse? Zart lässt sich das Fleisch mit der Gabel zupfen, die Soße mundet würzig und rund, das Gemüse ist gerade richtig gar und das feine Honigaroma passt hervorragend dazu. Es schmeckt ganz eindeutig nach Mehr und satter Zufriedenheit.



Das Denkmahl

Bienenhof

Biobauernhof Egger

Lein - Das Urgetreide

Das können Rohkostöle

27grad Rohkostöle

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