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Passauer Landlust

 

Das Denkmahl

Genuss pur in historischem Ambiente

Portrait

 
 
 
Rüdiger Miedl
& Christof Spieth

Rüdiger Miedl und Christof Spieth
Die Bayerwald-Gegend ist für ihre ausgezeichnete Küche und die freundliche Gastlichkeit besonders bekannt. Mit dem Denkmahl am Untergriesbacher Marktplatz kam vergangenes Jahr ein ganz besonderes Restaurant dazu. Wir durften Rüdiger Miedl und Christoph Spieth über die Schulter blicken. Kreativität und Nachhaltigkeit wird von den beiden großgeschrieben.
„Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert“, sagt Hartmut Spieth. Es ist eines der ältesten Häuser am Untergriesbacher Marktplatz. Älter als die im gotischen Stil errichtete und später barockisierte Pfarrkirche. Schon beim Betreten spürt man die besondere Atmosphäre. Ein wunderbares Gewölbe empfängt uns in der Amtsstube. Abgestützt durch massive Granitsäulen. Auch der Boden zeugt von großer Historie. Massive Gredplatten sorgen für ein uriges Flair. Behaglich wird es durch die stimmige Einrichtung und das exzellente Beleuchtungskonzept. Gleich am Eingang finden wir ein spannendes Relikt. Auf einem kleinen Fleckchen sieht man, wie viele Farbschichten unter den weiß getünchten Wänden schlummern. Gelbe und blaue Farbreste stechen hervor. Sage und schreibe 67-mal wurde das Mauerwerk gestrichen, wie uns Hartmut Spieth erzählt. Was sich hier in den vergangenen siebenhundert Jahren wohl abgespielt hat? Denn das Spindler-Haus war mal Kracherl-Fabrik, Gaststätte, Wohnhaus und Vermutungen nach wohl die Heimat des Marktgerichts. Denn vor der Tür war einst der Pranger stationiert. Die Geschichte wäre eine Zeitreise wert. Der Weg führt uns weiter durch eine frisch restaurierte Rundbogentür. Die Wände zieren historische Aufnahmen des Marktes.
Denkmahl
Denkmahl

Historik und Moderne vereint

Eine weitere große Besonderheit ist der Weinkeller. Sein Gewölbe stammt sogar aus dem 13. Jahrhundert. Wir gehen eine alte Stiege aus Granit hinunter. „Hier haben unsere Gäste ihr eigenes Reich“, so der Besitzer. Denn das alte Kellergewölbe mit seinen massiven Eichentischen eignet sich prima für Weinverkostungen, aber auch für kleine Familienfeiern. „Ich habe so eine Hochachtung dem Gebäude gegenüber. Direkt eine Ehrfurcht“, sagt Hartmut Spieth. Er hatte das stark beschädigte Haus 2023 gekauft. Das Dach war undicht und eigentlich kaum was renoviert. Das hat sich geändert. Innerhalb von acht Monaten ließ der Obernzeller das komplette Haus sanieren und zur Gastronomie umbauen. Dabei hat er so viel wie möglich erhalten. Selbst die Raumaufteilung. Der Holzboden in der Sauwaldstube war einst die Tramdecke in der Küche. Auch die Wirtshausvertäfelung in der Marktstube blieb erhalten. Ebenso wie Türen und Böden. Das verleiht dem Gebäude Charakter. Weil man in der Schaukelstube durch den unebenen Boden keinen Stuhl stellen könnte, wurden kurzerhand hängende Stühle eingebaut. „Es war schon eine Herausforderung“, lacht Hartmut Spieth. Er hat auch selbst viel Hand angelegt, den regionalen Handwerkern geholfen, wo es ging. Das Gute war, dass im letzten Jahrhundert kaum was investiert wurde, daher ist viel alte Substanz erhalten geblieben. Ob Türumrahmungen, Nischen oder ein stattlicher Grand – immer wieder finden sich Granitelemente. Das Gestein bescherte der Gegend einst Reichtum und wird bis heute in der Umgebung gewonnen. Aktuell arbeitet Hartmut Spieth gemeinsam mit Koch Rüdiger Miedl und seinen Söhnen Christoph und Leonhard an der Gestaltung der neuen Terrasse – mit herrlichem Blick in den Bayerwald und das österreichische Mühlviertel. Sie soll im Mai eröffnet werden. Neben den einzigartigen Räumlichkeiten und der ausgezeichneten Küche ist die Gastlichkeit des Denkmahls ein großes Merkmal. Man fühlt sich wohl hier und spürt, dass die Chemie zwischen den beiden Küchenchefs stimmt. Dabei denkt man an jahrelange Freundschaft. Doch weit gefehlt: „Christoph ist mein Blinddate“, lacht Rüdiger Miedl. Der 37-jährige Familienvater arbeitet schon lange für Hartmut Spieth. Ihn kennt man etwa als Küchenchef vom Trachtenstadl in Obernzell. „Als mich Herr Spieth gefragt hat, ob ich beim Denkmahl ebenfalls mit an Bord bin, habe ich nicht lange überlegt“, sagt er. Auch Christoph ist ein gebürtiger Untergriesbacher, hat hier seine Kindheit verbracht und ist ebenfalls zur Ausbildung in die Welt hinausgezogen. Neun Jahre lang blieb er schließlich in Metzingen bei Stuttgart. Baute sich dort sein Leben als Küchenchef auf. Seine Lebensgefährtin Kim stammt von dort. „Für mich war es klar, dass ich nicht mehr in meine Heimat zurückkehren werde. Doch dann brachte mein Vater dieses alte denkmalgeschützte Haus ins Spiel“, erzählt Christoph Spieth. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich gemeinsam mit Kim, nach insgesamt 19 Jahren wieder nach Untergriesbach zu ziehen. „Gottseidank hat es mit uns gematcht“, sagt Christoph zu Rüdiger, der bestätigt: „Ja, so sind wir zusammengekommen. Für mich ist es irgendwie immer noch wie im Film.“ Was das Betriebswirtschaftliche anbelangt, werden sie von Christophs Bruder Leonhard unterstützt. Kim hilft im Service mit, außerdem haben sie eine Spülerin und eine Servicekraft angestellt. Den Hauptteil der Arbeit erledigen die Köche gemeinsam. Von Donnerstag bis Samstag hat das Lokal ab 17 Uhr geöffnet. Die restliche Zeit benötigen sie für Vorbereitungen. Zutaten ordern, Soßen einkochen, Öle und eigene Gewürzmischungen herstellen und die Speisen vorbereiten. Bei der Zubereitung wollen wir dem kreativen Team nun über die Schulter schauen.

Kreative Küche aus heimischen Zutaten

Heute gibt es Rind. Ein regionaler Klassiker. Zur Vorspeise ein handgeschnittenes Beef Tartar und zum Hauptgang ein feines Rinderfilet mit Tagliatelle in Champignonrahm. Außerdem eine kleine Überraschung. Denn es ist Donnerstag und an diesem Wochentag schüren Rüdiger und Christoph den Holzofen für die beliebten Pizzen an. Die beiden erwarten uns bereits in der Küche. Rüdiger holt ein ganzes Rinderfilet aus der Kühlung: „Das haben wir gestern vom Haindl-Metzger, direkt gegenüber bekommen. Ein richtig schönes Stück Fleisch.“ Er kennt sogar den Bauern. Es stammt von Daniel Kainz’ Rindern aus Grub bei Untergriesbach. Regionalität ist den beiden Köchen besonders wichtig, denn „die Qualität spricht für sich“, wirft Christoph ein. Bei ihnen kommt nur das auf die Karte, was der örtliche Metzger von regionalen Landwirten anbieten kann. „Wir wissen immer, woher das Fleisch kommt“, versichert Rüdiger, während er das Filet von Silberhaut und Fett befreit. Die Abschnitte kommen nicht in den Müll, sie werden mit Knochen und Rotwein für eine schöne dunkle Soße ausgekocht. Die passt hervorragend zu Ochsenbackerl oder der eigenen Interpretation des Rostbratens. Der wird im Denkmahl vom geschmorten Schulterstück des Ochsen serviert. Hinzu kommen rösche Bratkartoffeln und saisonales Gemüse. Die Küche der beiden ist keine typische Wirtshausküche, sondern kreativ, aber nicht abgehoben. Außerdem spürt man einen mediterranen Einschlag. Denn auch Pizza, Pasta und Risotto lassen sich auf der Speisekarte finden. Besonders beliebt sind das getrüffelte Pilzrisotto oder das Garnelenpfännchen. „Je nachdem, was der Metzger anbieten kann, gibt es mal Rinderfilet, mal Entrecote, Roastbeef oder Schweinekoteletts. Eine Steakvariante ist aber immer mit drauf. Dazu wechselnde Beilagen für einen bunten Teller voller Geschmack“, erklärt Christoph, während er die Champignons für die Pilzrahmsoße vorbereitet. Rüdiger schneidet indessen das Rinderfilet in etwa fünf Zentimeter dicke Scheiben. Ein Teil davon wird für das Beef Tartar verwendet. Dafür würfelt er das zarte Fleisch ganz klein. „Faule Köche würden es durch den Fleischwolf drehen. Das machen wir nicht, das zerstört die Struktur des Fleisches viel zu sehr“, weist der Untergriesbacher auf das Qualitätsmerkmal hin und würfelt auch Kapern, Schalotten und Essiggurken fein. Dann rührt er ein herzhaftes Dressing aus Worcestersoße, Tomatenmark, frischer Chili und etwas Dijon-Senf an. Auf rohes Ei verzichtet er. Innerhalb von ein paar Minuten entsteht eine wunderbare Vorspeise. Dazu reichen die Köche gerne frisch gebackene Focaccia. Und obendrauf kommt ihr selbstgemachtes grünes Kräuteröl. Während Rüdiger die Vorspeise fertig anrichtet, dünstet Christoph Zwiebeln und Knoblauch für den Pilzrahm an. Anschließend gibt er die frischen Champignons dazu. Es zischt ordentlich, als er das Ganze mit einem Schuss guten Weißwein ablöscht. „Nun fügen wir noch etwas Thymian hinzu“, sagt der 35-Jährige, legt ein Zweiglein hinein und gießt etwas Sahne zur Soße. Diese darf für ein paar Minuten einkochen. Anschließend sorgen ein Stück Butter und das hausgemachte Selleriesalz für Geschmack. „Das Selleriesalz schmeckt sehr gut zu den Champignons, weil es ein leicht erdiges Aroma mitreinbringt“, weiß der Profi. Das Rinderfilet wird nun gegrillt. Nachdem es schön angeröstet ist, kommt es in eine Pfanne und wird mit Butter und Rosmarin aromatisiert. So kann das Fleisch die Aromen wunderbar aufnehmen. Es brutzelt herrlich. Der feine Duft verbreitet sich in der Küche und vermischt sich mit der Pilzrahmsoße. Als Beilage kochen frische Tagliatelle am Herd. Am Teller würzt Christoph das Fleisch mit Salz und einer Pfeffermischung. Garniert wird das Ganze mit der selbst eingekochten Jus, dem Kräuteröl, einer konfierten Tomate und frittiertem Rukola. On top sorgt ein getrockneter Bacon-Chip für einen Blickfang. Während Christoph das Hauptgericht schön anrichtet, bereitet Rüdiger die Pizza zu. Sie besteht aus einem 48-Stunden geführten Teig, wie uns der Koch verrät. Hinein kommen nur erlesene Zutaten. Etwa das San Marzano Olivenöl, das aus der Partnergemeinde von Untergriesbach stammt. Rüdiger breitet den Teig aus, bestreicht ihn mit Tomatensoße und streut Mozzarella drauf. Bevor die Pizza in den heißen Holzofen wandert, wird sie mit einem hausgemachten Pesto verfeinert. Nun darf sie ein paar Minuten unter Sicht backen. Der Teig geht ordentlich auf und wirft tolle Blasen. Der Koch freut sich, weil der Rand so schön hochklettert. Nach dem Backen garniert er sie mit frischen Cocktailtomaten, einer Kugel Burrata-Käse und einem Sträußchen Basilikum. So muss eine Pizza mit dem wohlklingenden Namen „Höhenberg“ aussehen. Und wie sie riecht! „Unsere Pizzen haben ihre Namen aus Untergriesbach und Umgebung. Eine Calzone ist bei uns der Burghügel, den gibt’s da unten, wo einst die Ritterburg war. Unsere Vier-Käse-Pizza heißt Lämmersdorf, weil da mal Käse hergestellt wurde. Nur den Gottsdorfern fehlt noch ihre eigene Pizza. Die haben angefragt, ob sie nicht auch eine eigene bekommen“, lacht er. Wir sind uns sicher, dass bei unserem nächsten Besuch auch eine Kreation für die Gottsdorfer auf der Karte steht. Denn eines ist auf jeden Fall klar, langweilig wird die Küche der beiden Untergriesbacher auf keinen Fall. Alle zwei Wochen ändern sie die Speisekarte. Sie wollen kreativ arbeiten, mit den Zutaten, die die Region hier bietet. Wer die Gerichte einmal probiert hat, der weiß diese Qualität zu schätzen. Ein wunderbares Rinderfilet an geschmackvoller Pilzrahmsoße, ebenso das Beef Tartar. So muss es schmecken. Von der Pizza ganz zu schweigen. Genuss pur!
Denkmahl

Profi-Tipp

Kräuteröl zubereiten
Kräuter wie Kerbel, Petersilie und Rucola mit Pflanzenöl mischen (Rapsöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl) und mixen. Das Öl anschließend für vier bis acht Minuten nicht höher als 70 Grad erhitzen. Danach auf Eis kalt abschlagen (unter Rühren abkühlen). Zu guter Letzt sollte das Öl noch durch einen Kaffeefilter laufen. Dann kann es in eine schöne Flasche abgefüllt werden. Wichtig: Wenn man das Öl zu lange und zu hoch erhitzt, wird das Chlorophyll in den Kräutern zerstört und das Öl braun.
Das Denkmahl

Das Denkmahl

Das Denkmahl am Untergriesbacher Marktplatz vereint Genuss mit historischem Ambiente. Wir durften Rüdiger Miedl und Christoph Spieth über die Schulter blicken.
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